Letzte Woche war ich auf der Restart Up Night vom Innolab der WKO Steiermark. Man geht zu solchen Veranstaltungen, um sich inspirieren zu lassen – und kommt mit einem Kopf voller Fragen heim. Zum Beispiel: Wird Unternehmertum vererbt? Werden bestimmte Werte weitergegeben? Oder muss man einfach ein spezieller Typ Mensch sein?
Ich bin als Bauernhofkind aufgewachsen. Meine Eltern waren Bauern. Heute sagt man Landwirte oder Agrarmanager. Für mich waren sie einfach Bauern. Und was sie gemacht haben, war für mich keine Form von Unternehmertum. Es war halt ihr Alltag.
Dass meine Eltern ein vollständiges Unternehmen betrieben haben, verstehe ich erst heute. Da gehört nämlich mehr dazu, als zweimal am Tag in den Stall zu gehen und die Schweine zu füttern. Es braucht genaue Planung: Welche Sau lasse ich wann zu, damit genau drei Monate, drei Wochen und drei Tage später die Ferkel da sind?
Haha. Ich musste gerade echt googeln, wie lange ein Schwein trächtig ist. Ich will jetzt nicht erwähnen, dass ich eine landwirtschaftliche Fachschule absolviert habe.
Dazu kommen jede Menge Vorleistungen und vor allem das Risiko, eine Schweinezucht zu betreiben. Meine Mama war für den Stall, die Tiere, den Garten und natürlich für uns Kinder zuständig. Mein Vater war täglich am Feld und mit den Maschinen im Einsatz. Und „nebenbei“ hatte er noch ein Ein-Personen-Baggerunternehmen und war im Lohndrusch tätig.
Also, für mich klingt das heute fix nicht mehr nach „nur Bauern“.
Unternehmertum mit der Muttermilch?
Wurde mir das Unternehmertum also in die Wiege gelegt? Mit der Muttermilch habe ich jedenfalls nichts aufgesogen – ich wurde nicht gestillt. Aus Zeitmangel. Das muss man sich einmal vorstellen: Meiner Mama wurde gesagt, sie brauche nicht zu stillen, sie solle lieber in den Stall gehen und arbeiten. Nicht von meinem Papa, wohlgemerkt.
Vielleicht wurde mir Arbeit und Verantwortung tatsächlich früh vorgelebt. Nur habe ich das als Kind nicht „Unternehmertum“ genannt. Das waren einfach meine Eltern, die Bauern.
Und vielleicht ist genau das die Antwort auf die Frage, ob Unternehmertum vererbt wird: Nicht unbedingt als fertiger Businessplan im Erbgut. Aber vielleicht bekommt man etwas mit. Eine Haltung zur Arbeit. Den Blick dafür, dass Dinge nicht von selbst passieren. Und dass hinter dem, was nach außen ganz selbstverständlich aussieht, ziemlich viel Planung, Einsatz und Risiko steckt.
Muss man der Typ dafür sein?
Wenn ich an Unternehmer denke, taucht schnell dieses Bild auf: selbstsicher, mutig, bestens vorbereitet. Businessplan fix, Strategie in der Schublade – und wahrscheinlich wissen sie schon beim Frühstück, was der Umsatz im nächsten Quartal macht.
Gibt’s solche Menschen wirklich? Oder haben sie ihre Unsicherheit einfach nicht in die Präsentation geschrieben?
Vielleicht beginnt Unternehmertum viel unspektakulärer. Mit einer Idee. Mit einer Frage. Oder mit einem: Ach, komm. Ich probier’s jetzt einfach.
Mut heißt für mich nicht, dass man keine Angst hat. Vielleicht heißt Mut manchmal einfach, zur richtigen Zeit Ja zu sagen. Ja zu einer Möglichkeit, obwohl man noch nicht genau weiß, wohin sie führt. Ja zu einem ersten Schritt, auch wenn der Weg danach noch nicht fein säuberlich beschildert ist.
Starten schlägt Perfektion
Learning by doing. Klingt logisch. Ist aber gar nicht so leicht, wenn der eigene Kopf gern noch fünf Dinge fertig hätte, bevor man überhaupt losgeht.
Die Idee könnte noch besser sein. Der Zeitpunkt günstiger. Der Name passender. Und vielleicht fehlt noch eine Präsentation, die so perfekt ist, dass man sie am Ende lieber einrahmt, statt sie jemandem zu zeigen.
Aber man muss einmal in einen Markt eintreten, um dort überhaupt etwas bewirken zu können. Eine Idee, die nur im Kopf bleibt, verändert draußen genau gar nichts.
Und ja: Klinkenputzen gehört dazu. Mag keiner mehr, muss aber manchmal sein. Die Leute warten leider nicht immer schon mit offenem Geldbörserl und den Worten: „Auf dich haben wir gewartet!“ Schade eigentlich.
Erfolg braucht manchmal länger als drei Instagram-Posts
Bei einem Winzer braucht ein Rebstock drei Jahre, bis er trägt. Das Bild gefällt mir. Man setzt etwas, kümmert sich darum – und muss trotzdem warten, bis etwas daraus wird.
Vielleicht erwarten wir manchmal zu schnell, dass sich alles bezahlt macht. Idee gehabt, gegründet, drei Monate gearbeitet – wo bleibt bitte der Erfolg? Aber nicht alles, was wächst, ist sofort zu sehen. Manches braucht Geduld. Und vermutlich auch ein bisschen mehr als drei motivierende Posts mit Sonnenaufgang.
Erfolg ist nicht nur eine Frage der Größe
Wie wird man erfolgreich? Ich glaube, Erfolg lässt sich nicht nur an Umsatz, Mitarbeiterzahl oder einem großen Firmenschild messen.
Egal, ob ich EPU bin oder 1.000 Mitarbeiter habe: Ich bewirke etwas. Mein Tun bewirkt etwas.
Vielleicht ist es ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Idee, die jemandem den Alltag leichter macht. Es muss nicht gleich die ganze Welt verändern, damit es Bedeutung hat.
Ich habe heute keine fertige Antwort darauf gefunden, ob Unternehmertum vererbt wird. Vielleicht bekommt man Werte mit. Vielleicht braucht es Mut, ein Gespür für den richtigen Moment und die Bereitschaft, auch die weniger glamourösen Dinge zu tun. Klinkenputzen zum Beispiel.
Und vielleicht muss man vor allem irgendwann anfangen. Nicht erst, wenn man sich hundertprozentig bereit fühlt. Wer auf den perfekten Moment wartet, kann unter Umständen sehr lange warten.
Es könnte ja gut werden.
